Cabaret Modern: "Alpenglühn" (2004) |
Die alte Decke liegt zum letzten Mal am Bette / Der alte Sessel steht zum letzten Mal im Park / Der alte Hofhund raucht die letzte Zigarette / Die alte Leiche liegt zum letzten Mal im Sarg / Der alte Hawaiianer tanzt den letzten Hula / Ja, selbst in Bregenz nimmt das Leben seinen Lauf / Das alte Baby zieht zum letzten Mal am Schnuller: Mama / Nur das Alpenglühn, dieses Alpenglühn / das alte Alpenglühn hört immer noch nicht auf. Der Song "Alpenglühn" wurde von Georg Kreisler geschrieben und 1963 bei Philips Records auf der Single "Max auf der Rax / Die Wanderniere / Das Alpenglühn" veröffentlicht. Das Cabaret Modern war ein Projekt des Gitarristen Noël Akchoté, der einige Musiker*innen einludt, einen musikalischen Abend mit ihm im Münchner Kleinkunstlokal Spiegelzelt zu gestalten. Mit dabei waren Alex Haas (Vocals, Double Bass), Giovanna Cacciola (Vocals), Jean-Louis Costes (Vocals, Piano), John Greaves (Vocals, Bass), Red alias Olivier Lambin (Vocals, Guitar), Charlie O. alias Alain Boiziau (Piano, Harmonium, Vocals), Christian Ludwig Mayer (Accordion), Stefan Noelle (Vocals, Snare Drum) und Stefan Winter (Vocals). Das Cabaret Modern führte am 17. März 2003 im Spiegelzelt ein Programm mit Songs von Georg Kreisler, Serge Gainsbourg, Lou Reed, Ennio Morricone, Jean-Louis Costes und Kraftwerk auf, aber auch Traditionals wie "Bella Ciao" und "Les Trois Orfèvres" waren Teil des Programms. Ein Mitschnitt des Abends erschien 2004 beim Label Winter & Winter unter dem Titel "A Night At The Magic Mirror Tent" als Album. Die Nacht im Spiegelzelt muss toll gewesen, wie auf dem Album zu hören ist. In der Musikzeitschrift skug war über dieses Album folgendes zu lesen: Die beste Musik dieses Planeten wird in Küchen gespielt, in Wohnzimmern, manchmal auf einer Bühne, aber sicher nie in einem Aufnahmestudio. Dieser wahre Satz stammt nicht von mir, sondern von Bob Neuwirth und dieses Schlachtross der Songwriterszene und Freund von Bob Dylan, D.A. Pennebaker u.v.m. muss es wissen. Hier erleben wir einen der raren Momente, wo auf einer Bühne Großes passiert. Wie erschafft man mit allen künstlerischen Möglichkeiten der letzten 90 Jahre die Atmosphäre eines Cabarets im Berlin der 20er? Die in diesem Magazin nicht gerade unbekannten Herren Costes, Red und einige mehr von Musikdirektor Noёl Akchoté Eingeladene versammelten sich im Münchner Spiegelzelt und spielten Songs von Serge Gainsbourg ("SS In Uruguay"), Georg Kreisler, Velvet Underground oder Kraftwerk in Verbindung mit Klassikern des Cabaretgenres. Und der Soul, den die Mitwirkenden hier entwickeln, schafft die große Klammer, die dieses Vorhaben zu einem solchen Genuss macht. Man höre nur, mit welcher Inbrunst die wunderbare Giovanna Cacciola "Bella Ciao" singt. Das ist Soul, das ist Musik wie sie nur selten zu hören ist, das ist eine Erleuchtung. Hmm, die Besprechung ist zwar arg euphorisch und wirkt eher abschreckend als antörnend, aber die CD ist wirklich toll. Der Abend war sicherlich ein sehr schöner Abend. Yeah! Hört euch auch den Song "Deep Virus" von Morphogenesis an, Drone Ambient oder Dark Industrial, yeah. Obwohl der Song bereits 1986 aufgenommen wurde, wurde er dann erst 1997 auf dem Morphogenesis-Album "Formative Corsation" bei Mycophile Records veröffentlicht. Morphogenesis wurde 1985 in London von Adam Bohman (Prepared Violin, Homemade Strings), Michael Prime (Tape Delay, Short Wave Radio, Percussion), Clive Hall (Small Instruments), Fred Sansom (Guitar), Roger Sutherland (Percussion) und Ron Briefel (Vocals, Electronics) gegründet und ist noch immer in der Popwelt unterwegs. Fred Sansom und Roger Sutherland haben sich zwar inzwischen wieder verabschiedet, dafür sind jetzt Andy Cordery (Percussion, Keyboards) und Clive Graham (Electronics, Objects) mit dabei. Roger Sutherland ist 2004 im Alter von 56 Jahren gestorben. Okay, heute vorm Einschlafen Cabaret Modern und Morphogenesis hören. Good night. 27.09.2026 |