Underground Resistance: "Jupiter Jazz" (1992)


Nennen wir es Techno Pop, yeah, Techno Pop aus Detroit. Underground Resistance sind eigentlich keine Band sondern ein Kollektiv rund um das von Jeff Mills und Mike Banks gegründete gleichnamige Label, das seit Ende der 80er Jahre besteht. Dazu gehören bzw. gehörten Musiker*innen wie DJ Rolando alias Rolando Rocha, Suburban Knight alias James Pennington, Blake Baxter, Claude Young, Robert Hood oder James Stinson. Die ersten Veröffentlichungen des Kollektivs waren 1990 die 12"-Singles bzw. EPs "Your Time Is Up" und "Sonic EP". Bei "Your Time Is Up" ist auch die Sängerin und Rapperin Yolanda Reynolds mit dabei, Underground Resistance feat. Yolanda. Der Song "Jupiter Jazz" ist auf der 1992 bei Undergound Resistance erschienenen 12"-Single "World 2 World" zu finden, die 2016 neu aufgelegt wurde. Die Liste der unter dem Namen Underground Resistance veröffentlichten Singles ist lang, sehr lang, zuletzt erschien 2022 die 12"-Single "Windchime / Abondoned Building In Mono". Im Jahr 1992 erschien bei Network Records das Doppelalbum "Revolution For Change", auf dem Songs von Singles und EPs aus den Jahren 1990 und 1991 zu hören sind, außerdem der neue Song "Code Of Honor" und der kurze Livemitschnitt "UR Live In Utrecht, Holland". Bei Submerge Recordings erschien 2005 ein weiteres Doppelalbum unter dem Titel "A Hitech Jazz Compilation", auf dem ebenfalls der Song "Jupiter Jazz" zu finden ist. Auf dem Album steht groß UR Presents Galaxy 2 Galaxy zu lesen, also könnte man "Jupiter Jazz" auch als Song von Galaxy 2 Galaxy betrachten. Auf der 1992 erschienenen 12"-Single "World 2 World" mit den 4 Songs "Amazon", "Jupiter Jazz", "Cosmic Traveler" und "Greater Than Yourself" steht aber all tracks written and produced by Underground Resistance drauf, naja, im Prinzip egal, irgendwie stecken auf jedem Fall Jeff Mills und Mike Banks dahinter. Der verstorbene Musikjournalist Martin Büsser schrieb in seiner Geschichte der Popmusik: Detroit Techno schuf eine Traumwelt, in der es keine Identität mehr geben sollte, sondern nur noch den sich ekstatisch bewegenden, aus der Geschichte entlassenen und von jedem Kontext befreiten, tanzenden Körper. Jeff Mills und Mike Banks entwickelten sich trotz der angestrebten Anonymität sehr schnell zu Stars der Techno Szene, und sie blieben nicht die einzigen. Egal. Irgendwann in den 90er Jahren kam dann der Begriff Intelligent Techno oder Intelligent Dance Music auf, um sich vom kommerziellen Techno abzugrenzen. Die Techno Genres sind inzwischen zahlreich und oft schwer auseinanderzuhalten, Acid Techno, Minimal Techno, Tech House, Dub Techno, Hardcore oder Speedcore Techno, auch Breakcore, Terrorcore, Doomcore oder schlicht Gabber genannt, Tech Trance etcetera etcetera. Unter dem Namen Psychedelic Trance oder Psytrance stellte Techno auch sehr früh wieder Bezüge zur Popgeschichte der 60er und 70er Jahre her, ja, Anfang der 90er Jahre wurden die Hippies wieder richtin 'in'. Am meisten ist Techno, meiner Meinung nach, aber vom Funk und der Disco Music der 70er Jahre beeinflusst. Detroit Techno hörte ich eine Zeit lang sehr gerne und tue es heute noch, vielleicht nicht mehr so oft, aber immer noch häufig. Sun Ra und sein Arkestra war da sicherlich auch ein wichtiger Einfluss. Space is the place, yeah. So, noch ein passendes Schlusswort vom Komponisten Edgar Varèse: Ich arbeite mit Klangfarben, Geräuschen und Rhythmen - Melodien sind nur das Geschwätz in der Musik. Okay, manchmal schwätze ich ganz gerne und insofern geht es nach dem Schlusswort noch weiter. Ich habe gerade das Buch "Die Lieder der alten Lakota - Leben und Kultur der Teton-Sioux" von Frances Densmore gelesen, es wurde 2022 vom Palisander Verlag neu aufgelegt. Die Originalausgabe erschien 1918 beim Smithsonian Institute unter dem Titel "Teton Sioux Music". Frances Densmore unternahm mit finanzieller Unterstützung des Bureau of American Ethnology zwischen 1905 und 1954 zahlreiche Forschungsreisen in größere und kleinere Reservate in den USA und Kanada, um dort Informationen über Tradition und Musik zu sammeln und so vor dem Vergessen zu bewahren. Sie führte Interviews und nahm Lieder mit einem Phonographen auf Wachszylinder auf. Mehr als 2.500 Lieder sind auf solchen Wachszylindern erhalten geblieben. Ein paar dieser Lieder kann man sich auch im Netz anhören. Sehr lesenswert sind die Interviews, die sie mit Häuptlingen, Kriegern und Squaws wie Gray Hawk, Red Fox, Brave Buffalo, No Heart, Lone Man, Charging Thunder, Eagle Shield, Swift Dog, Mrs. Hattie Lawrence, Silent Woman, One Feather oder Red Fish geführt hat. Native American Musiker*innen waren immer auch in der Popmusik anzutreffen, z.B. die Jazzmusiker Jim Pepper und Big Chief Russell Moore, die Singer-Songwriter Floyd Red Crow Westerman und Buffy Sainte-Marie oder die Bands Redbone und Blackfire. Redbone hatten mit dem Song "The Witch Queen Of New Orleans" 1971 einen Hit und Blackfire sind eine Punkband aus Arizona, die aus den Geschwistern Klee, Jeneda und Clayson Benally besteht. Im Jahr 2016 erschien bei der University of Arizona Press das Buch "Indigenous Pop - Native American Music From Jazz To Hip Hop" zu diesem Thema. Okay, nun ist wirklich Schluss für heute, ich brauche Kaffee für meine Nerven. Die allerletzten Worte überlassen wir nun Brave Buffalo: Ich habe in meinem Leben festgestellt, dass alle Menschen eine Vorliebe für ein bestimmtes Tier, einen Baum, eine Pflanze oder ein Fleckchen Erde haben. Gäben die Menschen mehr auf diese Vorlieben acht und versuchten herauszufinden, was sie wohl tun sollten, um sich dessen als würdig zu erweisen, das sie so anzieht, so hätten sie Träume, die ihr Leben läutern würden. Oh, jetzt hab ich ganz vergessen die hörenswerte New-Wave-Band Romeo Void zu erwähnen, deren Sängerin Debora Iyall auch eine Native American ist. Hört euch den Song "Say No" 1984 von Romeo Void an. Romeo Void waren von 1979 bis 1985 aktiv, Debora Iyall hat danach noch die Soloalben "Strange Language" 1986, "Stay Strong" 2010 und "Singing Until Sunrise" 2011 veröffentlicht und 1998 mit Peter Dunne unter dem Namen Knifeinwater das Album "Dialog". Ja, und bevor ich mir nun endlich einen Kaffee mache, höre ich mir nochmals den Song „Jupiter Jazz“ von Underground Resistance an, der ist nämlich auch sehr gut für empfindliche Nerven. Yeah!

09.03.2023