Crass: "White Punks On Hope" (1979)


Anarchopunk, yeah. They said that we were trash / Well the name is Crass not Clash / They can stuff their punk credentials / Cause it’s them that take the cash / They won't change nothing with their fashionable talk / Their RAR badges and their protest walk / Thousands of white men standing in a park / Objecting to racism like a candle in the dark. Crass wurde 1977 in Essex, England von Penny Rimbaud alias Jeremy Ratter (Drums, Vocals) und Steve Ignorant alias Steven Williams (Vocals) gegründet. Die Band lebte zusammen im Dial House, einer open-house community. Im Jahr 1978 erschien das Debütalbum "The Feeding Of The 5000" bei Small Wonder Records, außer Penny Rimbaud und Steve Ignorant waren noch Joy De Vivre alias Joy Haney (Vocals), Eve Libertine alias Bronwen Jones (Vocals), Phil Free alias Phil Clancey (Guitar, Vocals), Andy Palmer (Guitar, Vocals), Gee Vaucher (Piano) und Pete Wrong alias Pete Wright (Bass, Vocals) mit dabei. Nach diesem Album gründeten Crass das eigene Label Crass Records, auf dem alle weiteren Alben der Band erschienen. "Stations Of The Crass" 1979, "Penis Envy" 1981, "Christ - The Album" 1982, "Yes Sir, I Will" 1983 und "Ten Notes On A Summer’s Day" 1985. Crass schafften es mit den Songs "Reality Asylum", "Bloody Revolutions", "Nagasaki Nightmare", "Merry Crassmas", "Sheep Farming In The Falklands", "How Does It Feel To Be The Mother Of 1000 Dead?" und "Whodunnit?" in die Top Ten der britischen Indiecharts. Die Band löste sich offiziell 1984 auf, nahm aber dann noch das Album "Ten Notes On A Summer’s Day" auf, bevor endgültig Schluss war. We found ourselves in a strange and frightening arena. We had wanted to make our views public, had wanted to share them with like minded people, but now those views were being analysed by those dark shadows who inhabited the corridors of power. (...) We had gained a form of political power, found a voice, were being treated with a slightly awed respect, but was that really what we wanted? Was that what we had set out to achieve all those years ago? Penny Rimbaud arbeitete nach dem Ende Crass mit dem Collective Crass Agenda, aus dem schließlich die Band Last Amendment hervorging und veröffentlichte eine Menge Bücher, zuletzt "The Crippled Flesh - A Book Of Philosophy And Filth" 2010 bei Bracketpress. Zuletzt erschien von ihm 2019 bei Ujikaji Records das Album "Entry Points, Resonating Punk, Performance And Art", mit dabei sind auf diesem Album die Musiker Stephen Shukaitis (Sounds), Awk Wah alias Shark Fung (Vocals, Percussion, Electronics) und Dharma (Guitar, Effects). Steve Ignorant spielte nach Crass u.a. mit den Bands Schwartzeneggar, Stratford Mercenaries und Slice Of Life. Von Slice Of Life erschien 2019 bei Overground Records das Album "Don't Turn Away" in der Besetzung Steve Ignorant (Vocals), Pete Wilson (Guitar, Backing Vocals), Carol Hodge (Piano, Backing Vocals) und Rachel Hall (Violin, Viola). Ich habe von Penny Rimbaud das Buch "Shibboleth - My Revolting Life" gelesen, es erschien 2004 beim Ventil Verlag in deutscher Übersetzung. Im Nachwort schreibt Penny Rimbaud: Letztes Jahr bin ich sechzig geworden und freue mich darüber, dass ich aktiv in einer wiedererwachten, pulsierenden Alternativkultur arbeite. Die Jahre, die ich beim Schreiben in der Isolation verbracht habe, ob nun von Romanen oder juristischen Schriftstücken, waren sehr wertvoll. In jener Zeit habe ich mich größtenteils wiedererschaffen und herausgefunden, wer ich eigentlich bin, nach all den Jahren, die ich als Teil von Crass verbrachte. Meine Sorge ist nun, dass der äußere Druck der kreativen Aktivität mich wieder zu weit von meinem inneren Selbst wegführt, aber hoffentlich habe ich in der Zwischenzeit dazugelernt. In den vielen Jahren als kreativer Aktivist habe ich gelernt, 'Revolution' als semantisches Wortspiel zu verstehen: Sie dreht sich wortwörtlich herum und herum, immer wieder im Kreis um sich selbst. Es gibt weder Anfang noch Ende, aber solange es Kristallkronleuchter gibt, an denen man herumschwingen kann, werde ich weitermachen. Ich revoltiere also noch immer. Lieber Penny Rimbaud, ich werde demnächst vierundsechzig Jahre und bin gerne dabei, beim Revoltieren und beim Herumschwingen an Kristallkronleuchtern. Der Song "White Punks On Hope" ist auf dem Album "Stations Of The Crass" 1979 zu finden, das 2019 bei Crass Records wiederveröffentlich wurde. Bereits 1978 sangen Crass "Punk Is Dead", yeah. Yes that's right, punk is dead / It's just another cheap product for the consumers head / Bubblegum rock on plastic transistors / Schoolboy sedition backed by big time promoters / CBS promote the Clash / But it ain't for revolution, it's just for cash / Punk became a fashion just like hippy used to be / And it ain't got a thing to do with you or me. Ja, mit The Clash wollten Crass auf gar keinen Fall verwechselt werden, obwohl, so böse waren Clash auch wieder nicht. Den Ausverkaufsvorwurf versteh ich zwar gut und das Argument vom wichtigen Inhalt, der von möglichst vielen gehört werden soll, finde ich eigentlich doof, aber die Musik von Clash war schwer okay. Schwierig, schwierig.