David Bowie: "We Are The Dead" (1974)


Ein viertes Mal David Bowie, yeah. But now / We're today's scrambled creatures, locked in tomorrow's double feature / Heaven's on the pillow, its silence competes with hell / It's a twenty-four hour service, guaranteed to make you tell / And the streets are full of press men / Bent on getting hung and buried / And the legendary curtains are drawn 'round Baby Bankrupt / Who sucks you while you're sleeping / It's the theater of financiers / Count them, fifty 'round a table / White and dressed to kill / Oh caress yourself, my juicy / For my hands have all but withered / Oh dress yourself my urchin one, for I hear them on the stairs / Because of all we've seen, because of all we've said / We are the dead / We are the dead / We are the dead. Der Song "We Are The Dead" stammt vom 1974 bei RCA Records erschienenen Album "Diamond Dogs", einem Konzeptalbum, das sich thematisch an das Buch "1984" von George Orwell anlehnt. Ursprünglich hatte David Bowie vor, ein Gesamtwerk aus Album, Film und Musical unter dem Titel "The 1980 Floor Show" zu machen, basierend auf George Orwells "1984" (nineteen eighty-four / nineteen eighty floor), doch Orwells Erben waren damit nicht einverstanden und verweigerten die nötige Genehmigung. Bei Songtiteln wie "1984" oder "Big Brother" ist dieses Vorhaben aber noch durchaus erkennbar. David Bowie (Vocals, Guitar, Saxophone, Moog Synthesizer, Mellotron) wurde bei den Aufnahmen des Albums von den Musikern Earl Slick (Guitar), Alan Parker (Guitar), Mike Garson (Keyboards), Tony Visconti (Strings), Herbie Flowers (Bass), Tony Newman (Drums) und Aynsley Dunbar (Drums) musikalisch unterstützt. "Diamonds Dogs" schaffte es in den USA, Kanada, Australien, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Norwegen in die Top Ten der Charts. Das Cover malte der belgische Maler Guy Peellaert, der auch das Cover für das 74er-Album "It’s Only Rock ’N Roll" der Rolling Stones malte. Für das 1972 erschienene Buch "Rock Dreams" malte Guy Peellaert die Bilder zu den Texten von Nik Cohn. "Rock Dreams" sollte in keiner Popsammlung fehlen, yeah. "Diamond Dogs" wird, wie fast alle Bowie-Alben, alle Jahre wieder als CD oder LP wiederveröffentlicht. Wir befinden uns in meiner Sweetheart-Liste noch immer im Jahr 1974 und ich bin noch immer 18 Jahre alt, haha. Es dauerte noch 2 Jahre bis ich mit Um- und Irrwegen mein gewünschtes Ziel Wien erreichte. Ich zeichnete und malte damals fleißig, hatte meine erste Ausstellung und irgendwie von dem ganzen Kunstumfeld bald wieder die Nase voll. Meine neuen Freund*innen waren keine Freaks, waren wahrlich nette, gutsituierte Menschen und irgendwie auf Dauer langweilig. I'm bored. Meine neuen Freund*innen waren gebildet... intellektuell, yeah... und wohlhabend. I'm bored. Wohlhabend progressiv und äußerst kunstinteressiert, yeah... natürlich liberal und extremely fortschrittlich. Im Grunde genommen waren meine neuen Freund*innen sehr darauf bedacht, dass alles im Großen und Ganzen so bleibt wie es ist. Ja, meine neuen Freund*innen waren nett und durchaus großzügig, doch diese Großzügigkeit musste man sich eben leisten können. Mein Förderer war Innenarchitekt, ein guter Innenarchitekt. Er kannte eine Galeristin, eine gute Galeristin. Zu seinen Bekannten zählten auch einige Journalist*innen, gute und interessierte Journalist*innen. Wow! Ab und zu feierten die Guten, darunter auch ich, ausgelassene Feste im Haus des Innenarchitekten, ausgelassene Feste im künstlerisch wertvollen Dekor am Rande der Stadt, die nicht Wien hieß. Die Musik war gut, durchaus. Die Laune war gut, durchaus. Homoglam war kein Problem, nackedi nackedu nackedei-dei-dei, ja wir sind so frei, ja wir sind so frei. Als ich mich vom guten Innenarchitekten wieder verabschiedete, sagte er in etwa: Ohne uns Guten wird aus dir nie ein großer Künstler werden. Und er hatte recht, absolut recht, aus mir ist nie ein großer Künstler geworden. Aber wer will schon ein großer Künstler werden, wenn man auch ein kleiner Künstler werden kann, ein kleiner Fritz. Na, das ist doch was. Ein kleiner Fritz der den kleinen David liebte, oder besser gesagt, seine kleinen Songs, die ihm dabei halfen die große Welt und auch sich selbst besser zu verstehen. Eine andere Welt ist möglich, yeah. Holger Hiller: Bowie machte Identität als solche zu einem Spielelement, das kombinierbar wurde und nicht mehr dem biederen Ernst von Tüchtigkeit und Echtheit zu dienen hatte - zumindest scheinbar. Denn dieser Kosmos war nicht ganz so groß, wie er sich im ersten Moment anfühlte. Aber zunächst konnte Bowie - und das ist sein großes Verdienst - diese Rolle tatsächlich im Sinne eines weitergehenden Wandels einsetzen und vorantreiben. Apfelstrudel, sage ich. David Bowie ist tot, lang lebe David Bowie, sage ich auch.