Dead Kennedys: "Police Truck" (1980)


Punk, yeah. Tonight's the night that we got the truck / We're going downtown, gonna beat up drunks / Your turn to drive, I'll bring the beer / It's a late, late shift, no one to fear / Let's ride, ride how we ride / Let's ride, low ride. Die Dead Kennedys starteten 1978 in San Francisco, Kalifornien und bestanden anfänglich aus Jello Biafra alias Eric Reed Boucher (Vocals), East Bay Ray alias Raymond Pepperell (Guitar), Klaus Flouride alias Geoffrey Lyall (Bass) und Ted alias Bruce Slesinger (Drums, Percussion). Im Jahr 1979 erschien die erste Single "California Über Alles / The Man With The Dogs" beim Label Optional Music. Nach dieser Single gründeten Jello Biafra und East Bay Ray das Label Alternative Tentacles, auf dem alle weiteren Tonträgern der Dead Kennedys erschienen. Das Debütalbum "Fresh Fruit For Rotting Vegetables" erschien 1980, von ihm wurden die beiden Singles "Holiday In Cambodia / Police Truck" und "Kill The Poor / In-Sight" ausgekoppelt. Die Musik der Dead Kennedys hatte in Großbritannien mehr Erfolg als in den USA, mit den Songs "Kill The Poor" und "Too Drunk To Fuck" schafften sie es in Großbritannien sogar in die Charts. Die Dead Kennedys veröffentlichten noch die EP "In God We Trust, Inc." 1981, die Alben "Plastic Surgery Disasters" 1982, "Frankenchrist" 1985 und "Bedtime For Democracy" 1986 sowie die Singles "Nazi Punks Fuck Off! / Moral Majority", "Too Drunk to Fuck / The Prey", "Halloween / Saturday Night Holocaust" und "Bleed For Me / Life Sentence" bei Alternative Tentacle. Dem Album "Frankenchrist" war der Poster "Penis Landscape" von H.R. Giger beigelegt, weswegen die Dead Kennedys vom Parents Music Resource Center, das 1985 von Tipper Gore, der Frau von Senator Al Gore, gegründet wurde, vor Gericht zitiert und zu einer Strafe von 2.000,- Dollar verdonnert wurden. Nach dem Album "Bedtime For Democracy" zerkrachte sich die Band und löste sich auf. Jello Biafra veröffentlichte 1987 sein erstes Soloalbum "No More Cocoons" bei Alternative Tentacles. Neben Soloalben veröffentlichte er aber auch Alben in Zusammenarbeit mit Bands wie D.O.A., Nomeansno, Mojo Nixon & The Toadliquors, The Melvins oder The Guantanamo School Of Medicine, zuletzt mit den New Orleans Raunch And Soul All-Stars 2015 das Livealbum "Walk On Jindal’s Splinters". East Bay Ray spielte nach den Dead Kennedys in den Bands Skrapyard und Jumbo Shrimp, bei denen auch Klaus Flouride mit dabei war. Drummer D.H. Peligrio alias Darren Henley saß ab 1988 dann bei den Red Hot Chili Peppers am Schlagzeug. Drummer Ted hat sich nach dem Debütalbum wieder von den Dead Kennedys verabschiedet und wurde schließlich Architekt. Im Jahr 2001 wagten die Dead Kennedys ohne Jello Biafra einen Neustart. Der neue Sänger war Brandon Cruz, der 2003 das Mikro an Jeff Penalty weitergab und seit 2008 ist Ron 'Skip' Greer Sänger der Dead Kennedys. Der Song "Police Truck" ist auf der 2014 bei Manifesto Records erschienenen Compilation "Original Singles Collection" zu finden, auf der alle 7 Singles der Dead Kennedys von 1979 bis 1982 drauf sind. Jello Biafra: I think one of the most important things punk brought back was the whole concept of staying independent and doing things yourself. It made music a lot less boring in any category you can name. So und zum Abschluss ein kurzer Auszug aus einem Porträt von Jello Biafra, das man auf www.laut.de nachlesen kann. Biafra wäre nicht Biafra, wenn er sich nicht immer wieder an den ihn umgebenden Verhältnissen stören würde. 1979 tat er dies bereits, als er für den Bürgermeisterposten in San Francisco kandidierte und mit dem geklauten Firmenslogan "There’s Always Room For Jello" immerhin auf den vierten Platz kam. 2000 tauchte Biafra wieder im Scheinwerferlicht der Politik auf und verkündete seine Bereitschaft, als Präsidentschaftskandidat der Green Party gegen George W. Bush und Al Gore anzutreten, unterlag dann aber Ralph Nader. Derweil setzen ihm die gerichtlichen Auseinandersetzungen mit seinen Ex-Band-Kollegen um Tantiemen und Back-Catalogue-Rechte gehörig zu. Biafra kann es nicht fassen, dass seine früheren DK-Kumpels das Bild der wichtigsten politischen Punkband der USA zerstören, indem sie billige Reunion-Tourneen mit einem neuen Sänger anzetteln und miese Liveplatten veröffentlichen. East Bay Ray und Co. nahmen es sich 2003 sogar heraus, Promofotos mit Jello als Sänger an örtliche Veranstalter zu schicken, um an Auftritte zu gelangen bzw. die Leute zu täuschen. Eine Versöhnung der beiden Parteien scheint in diesem Leben nicht mehr möglich zu sein. So, jetzt will ich euch noch das wunderbare Buch "Sex Revolts" von Joy Press und Simon Reynolds empfehlen, es ist 2020 in deutscher Übersetzung beim Ventil Verlag erschienen. Joy Press & Simon Reynolds: Ursprünglich konzipierten wir "Sex Revolts" als Studie über Misogynie und über gestörte und verstörende Maskulinität im Rock und verwandten Pop-Genres. Doch schon bald erweiterte sich unser Blick auf andere Gender-Aspekte, wie sie sich in Pop- und Nicht-Popmusik ausdrückten. Zusätzlich zu der Negativität und Feindseligkeit gegenüber Frauen gab es noch eine ganz andere Tradition männlicher Rockmusik, die Frauen und 'das Feminine' mystisch überhöhte. Und dann gab es noch das unübersichtliche und vielfältige, reiche und verworrene Gebiet der weiblichen Repräsentation der eigenen geschlechtsspezifischen Lebenserfahrung. Ja, dieses Buch sollte in keiner Popsammlung fehlen.