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(leseprobe)
ROTE FÄDEN
Kuno ist ein mann, selbstredend, überall und nirgends, fußeindrücke im asfalt, zeichen der wachsenden ungeduld, das heißt: kuno hat in stärkerem ausmaß als ich zum beispiel das gefühl, wichtige dinge zu sagen zu haben, er, kuno, habe zum beispiel als kind mit dem kopf auf asfalt geschlagen, ich etwa auch?
Wichtige dinge zu sagen zieht sich wie ein roter faden durch kunos leben, ich hingegen habe mir ein billigauto gekauft, wieviel profiltiefe muß ein reifen eigentlich haben, ich muß soviel denken, der eiskasten taut gerade ab, ich lege ein handtuch vor den eiskasten, als kind trat ich einmal auf frischen beton, mein schuh blieb im weichen beton stecken und steckt wohl noch heute, oder habe ich diese geschichte soeben für kuno erfunden, der wie ein roter faden das bedürfnis nach wichtigkeit hat, und ich, die ich kein mann bin, fast so gut wie wir, sagen die männer und ich, die ich kein roter faden bin, sitze auf und reite durch die nacht, ich: fast so gut wie mitglied einer gemeinschaft aus roten fäden, erotisch ist die wachsende unschuld, wachsende ungeduld: heute brennen mir die augen, morgen habe ich kreuzweh, ein nasser abdruck im feuchten asfalt möchte ich sein, könnte kuno gesagt haben, gefüllt mit klarem regenwasser, aus dem ab und zu ein spatz trinken soll, das gefühl für die eigene wichtigkeit ist auch nicht so ohne weiteres aufrechtzuerhalten.
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