Drexciya: "Soul Of The Sea" (2002) |
Nochmals das Electronic-Duo Drexciya aus Detroit, Michigan. James Stinson starb 2002 im Alter von 33 Jahren an einem Herzinfarkt, Gerald Donald ist aber noch aktiv. Er veröffentlichte seither Musik unter Pseudonymen wie Arpanet, Dataphysix, Heinrich Mueller oder Xor Gate sowie mit den Electronic-Projects Dopplereffect, Zwischenwelt, Gedankenexperiment oder Avina Vishnu, zuletzt 2019 bei WéMè Records mit Avina Vishnu das Album "Transforma". Avina Vishnu sind Aina alias Annika Hippler und Heinrich Mueller alias Gerald Donald. Der Song "Soul Of The Sea" ist auf dem Drexciya-Album "Harnessed The Storm" zu finden, das 2002 beim Label Tresor erschienen ist. Drexciya sollte man auf jeden Fall gehört haben oder besser gesagt, bei Drexiya sollte man immer wieder mal reinhören, schöner kann Electronic Pop nicht sein, yeah. Dopplereffect ist ein Projekt, das Gerald Donald gemeinsam mit seiner Frau Michaela To-Nhan Bertel betreibt. Gerald Donald: All musical forms interact with each other, there is exchange between different configurations of music. The established diversity. Das Pseudonym Heinrich Mueller ist ein gewagtes, es erinnert uns natürlich sofort an den Nationalsozialisten Heinrich Müller, auch Gestapo-Müller genannt, der ab 1939 Leiter der Gestapo und hochrangiges Mitglied der SS war. Heinrich Müller verschwand 1945 spurlos und wurde für tot erklärt, seine Leiche wurde aber nie gefunden. Gerald Donald wurde für dieses Pseudonym sowohl von linker als auch rechter Seite angegriffen, die alten und leider auch junges Nazis waren mitnichten darüber erfreut, dass sich ein Schwarzer Künstler den Namen Heinrich Mueller aneignet und somit entehrt. Okay, ich finde das Pseudonym auch nicht gerade geglückt. Zum Thema "Black Music" empfehle ich die Zeitschrift "testcard No.13", darin befindet sich u.a. ein Gespräch mit dem Saxofonisten Archie Shepp. Als ich Free Jazz spielte, freute das viele Kritiker. Aber das ist eine Musik, die so gut wie nie von Schwarzen gehört wurde. Als ich mich dann stärker an meine Leute richtete, ging das Gemecker los, mein Publikum war nämlich vollkommen weiß. Hinzu kommt, dass ich schon immer eine deutliche Message an Afroamerikaner hatte und bis heute habe, sie jedoch nie erreichte. Mein Text richtet sich vehement gegen die Ausbeutung des schwarzen Amerika durch das bourgeoise Establishment, und durch meinen Saxofonpart habe ich meine Haltung dazu unmissverständlich gemacht - früher irgendwie akademischer, später mehr von den Wurzeln her. Ich finde es sehr wichtig, dass die Musik swingt. Archie Shepp feiert 2026 seinen 88. Geburtstag. Archie Shepp: Der Jazz ist tot! Ich würde sagen, dass der Rapper den Jazzmusiker ersetzt hat. Die Entwicklung des Rap korrespondiert mit der großen Armut, die heute in den Ghettos herrscht. Es wird wohl in letzter Zeit gern und viel vom Aufstieg einer schwarzen Mittelschicht gefaselt, das ist reine Augenwischerei. Lange war die Armut und Hilflosigkeit in den schwarzen Communities nicht so groß wie gerade heute. Jazz hat jedenfalls keinerlei Einfluss mehr auf das Leben der afroamerikanischen Kids. Man kann beim Ventil Verlag die meisten alten Nummern der Zeitschrift "testcard - Beiträge zur Popgeschichte" noch bestellen. Sehr interessant ist auch der Artikel "Signifyin' Hoochie Coo - Eine Voodoo-Spurensuche" von Didi Neidhart. Okay, jetzt noch ein Schlusswort der Sängerin und Poetin Jamila Woods: Beim Afrofuturismus geht es um Repräsentation und um den Versuch, eine andere, eine revidierte Version der Geschichte zu erzählen. Ein Beispiel, das ich liebe, ist die Geschichte der Sklavenschiffe. Viele Sklaven sind einfach ins Wasser gesprungen, sie wollten lieber ihr Leben in die eigene Hand nehmen. Daher kommt die Geschichte, dass sie dort Unterwassercommunities gegründet haben. Das inspirierte mich zu meinem Song "Heavn" mit den Wassermetaphern. Sie tanzen unter Wasser, daher kommen die Wellen auf dem Ozean. 15.03.2026 |