Omoide Hatoba: "Amen" (1995)


Omoide Hatoba war eines von vielen Seitenprojekten des Boredoms-Gitarristen Seiichi Yamamoto. Experimental Psychedelic Pop, yeah. Omoide Hatoba veröffentlichten 1990 ihr Debütalbum "Daiongaku" bei Alchemy Records. Die anderen Musiker waren Atsushi Tsuyama (Vocals, Bass, Synthesizer, Drum-Machine) und Chu Hasegawa (Drums, Computer, Tape). Die Band war in Osaka, Japan zuhause. Bei Alchemy Records erschienen 1992 noch die beiden Alben "Suchi Joe" und "Black Hawaii". Insgesamt veröffentlichte die Band 8 Alben und 2 EPs. Zuletzt habe ich von Omoide Hatoba 2009 gehört, also, ich denke die Band hat sich bereits wieder aus der Popwelt verabschiedet. Der Song "Amen" ist auf dem 1995 beim Label Meldac Corporation erschienenen Album "Kinai" zu finden. Unterstützt wurden Seiichi, Atsushi und Drummer Chu Hasegawa bei diesem Album von den Musiker*innen Isamu Kawamura (Alto Saxophone), Yoshimi Yamazaki (Alto Saxophone), Satoshi Kawanishi (Tenor Saxophone), Yokota Yoshimi (Trumpet) und Takashi Ogushi (Drums). Seiichi Yamamoto spielte neben den Boredoms und Omoide Hatoba auch noch mit einer beachtlichen Menge anderer Bands, Live Under The Sky, Sun Kich, Novo Tono, Z-Rock Hawaii, The World Heritage, Ya-to-i, Karera Musication etcetera. Dazwischen veröffentlichte er einige Soloalben, das erste "NOA" erschien 1997 bei Alchemy Records und das bisher letzte "Cavinet" 2021 bei P-Vine Records. Weiters betrieb er von 1997 bis 2004 in Osaka das Label Ummo Records, auf dem Platten von Bands wie Golden Sirup Lovers, Universal Errors oder She's Pippi erschienen. Aber auch Atsushi Tsuyama war noch mit Bands wie Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O., Nishinihon, Zubi Zuva X, Seikazoku oder Psyche Bugyo in der Popwelt unterwegs, veröffentlichte mehrere Soloalben und spielte im Duo mit Musiker*innen wie Tatsuya Yoshida, Makoto Kawabata und natürlich Seiichi Yamamoto. Drummer Chu Hasegawa ist zurzeit mit der Band Corrupted aktiv, die zuletzt 2018 bei Cold Spring Records das Album "Felicific Algorithim” veröffentlicht hat. Satoko Shibata: Seiichi Yamamoto, from the Japanese noise rock band Boredoms, is my favorite musician and his album "Nazonazo" is absolutely the best. Satoko Shibata ist eine Musikerin und Dichterin aus Sapporo, sie hat zuletzt 2022 das Album "Bochibochi ginga" veröffentlicht. Japanischer Indie Pop, yeah. Seichii Yamamoto ist auch der Betreiber des Club Bears in Osaka, the long-running Osaka club that has played host to a large number of avant-garde and noise gigs since late eighties. Im Club Bears ist fast jeden Tag Live-Programm, Einlass ist meist um 18 Uhr und die Konzerte beginnen zwischen 18.30 und 20 Uhr. Ich habe mir das aktuelle Programm angeschaut und fast keine Band gekannt. Naja, die Band Satanicpornocultshop ist mir ein Begriff und natürlich Acid Mothers Temple, das langjährige Bandprojekt von Kawabata Makoto. Es wurde 1995 gegründet und die erste Besetzung bestand aus Speed Guru alias Kawabata Makoto (Guitar, Electronics, Vocals), Cotton Casino alias Tomoko Kajino (Synthesizer, Vocals), Suzuki Chisen (Vocals), Keizo Suhara (Bass), Sleeping Monk alias Hajime Koizumi (Drums), Takahashi Atsuki (Drums), Cheesecake alias Ishida Yoko (Violin) und Mano Kazuhiko (Saxophone). Der Name wurde bald darauf auf Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. verlängert. Die Besetzung beim bisher letzten Album "Demi-Demoniac Daemoog" 2022 lautete Kawabata Makoto, Hiroshi Higashi (Synthesizer), Mitsuru Tabata (Guitar, Vocals) und Nani Satoshima (Drums, Synthesizer). Seiichi Yamamoto hat jedenfalls mit Acid Mothers Temple die Live-Alben "Giant Psychedelia" 2008, "Mega Psychedelia" 2011 und "Giga Psychedelia" 2012 veröffentlicht. Habe gerade das Buch "Grenzen des Hörens - Noise und die Akustik des Politischen" von David Wallraf gelesen, es ist 2021 im transcript Verlag erschienen. Der Text ist eine Uniarbeit und hat so seine Längen, aber insgesamt ist es ein sehr lesenswertes Buch. David Wallraf ist selbst Noise-Musiker, zuletzt hat er 2023 die Kassette "Unpleasant Knows" im Eigenverlag veröffentlicht. Csaba Toth schreibt in seinem Text "Noise Theory" 2009: Der anfängliche Impuls für Noise entsprang der Annahme, dass, da die industrielle Produktion die Rahmenbedingungen für Wiederholung innerhalb massenproduzierter Musik festlegt, jede kulturelle Form von Wiederholung innerhalb des Warenmarkts unter die allumfassende Logik der Industrialisierung fallen müsse. Daher erzeugen Noise-Musiker*innen nicht wiederholbare Musik außerhalb des kommerziellen Zusammenhangs. Der japanische Noise-Musiker Hiroshige Jojo sagte: Ich liebte den Moment, wenn Jimi Hendrix seine Gitarre zerschmetterte - aber der Rest seiner Musik ist so normal. Ich wollte nur die 'Hochspannungsszenen' spielen. Ich machte ein Tonband von all diesen Momenten, den Geräuschen zerbrechender Gitarren, alle auf einer Kassette zusammengeschnitten. Hiroshige Jojo ist Gitarrist der 1979 in Kyoto gegründeten Band Hijokaidan, die zuletzt 2020 mit der Band Airway bei Helicopter Records das Split-Album "The Lowest Form Of Music" veröffentlicht hat. Und Paul Hegarty schreibt in seinem 2007 erschienenen Buch "Noise/Music - A History": Noise wird immer scheitern, zumindest als Noise. Es kann sich niemals verwirklichen, da jeder Erfolg sein Scheitern bedeuten würde. Ja, das Buch steckt voller Anreize zum Nachdenken über Noise, mag es nun Lärm, Krach, Geräusch oder Rauschen bedeuten. Sehr gern höre ich Mlehst, das Noiseprojekt des englischen Musikers All Brentnall. Yeah!

01.12.2023